Betriebliche Burnout-Prävention – Interview in Vollversion

Burnout-Prävention aktuell

 In der Oktober-/Novemberausgabe des Gesundheits- und Fitnessmagazins TOP TIMES gab es einen ausführlichen Bericht/Interview zur Thematik „Burnout – Prävention – Betrieb“. Aufgrund zahlreicher Anfragen veröffentlichen wir hiermit die sehr ausführliche Originalversion des Interviews, die durch eine sehr fachliche,wissenschaftlich angelegte Betrachtung der Burnout-Thematik gekennzeichnet ist.

Interview Dr. Blind (Fragen gestellt von Mag. Christof Domenig, Top Times Redaktion)

+ Burnout – jeder kennt das Wort. In den Medien, in der Arbeitswelt – dauernd wird es verwendet (sicher oft auch falsch). Aber außer den Betroffenen haben die meisten trotzdem nur vage Vorstellungen davon, was es wirklich bedeutet. Was also steckt wirklich hinter dem Wort Burnout?

Das Burnout-Syndrom – darunter versteht man konkret ein mit Chronifizierung verbundenes Erschöpfungssyndrom (seelisch – geistig – körperlich), also ein Syptombündel (insbesondere: emotionale Erschöpfung – Depersonalisierung/Gleichgültigkeit – Mißerfolgserleben/Machtlosigkeit) und keine ICD (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) klassifizierte Krankheit  im engeren Sinne; im Rahmen der angeführten Klassifizierungs- und Diagnosemöglichkeiten stellt das Burnout-Syndrom eine Art Zusatzdiagnose dar.

Es ist somit nicht „einfach“ diagnostizierbar wie Grippe oder Halsentzündung, sondern befindet sich im Rahmen der Feststellung psychischer Probleme,Störungen,Leiden in einer definitorisch schwierigen Lage. Seriös feststellbar ist das  Burnout-Syndrom nicht im Rahmen anonymer (Selbst-) Tests sondern von erfahrenen Diagnostikern insbesondere mittels des MBI  (Maslach Burnout Inventory).

Praktisch entwickelt sich das Burnout-Syndrom über einen längeren Zeitraum von anhaltendem Stress, übermäßigem Einsatz und letztlich persönlicher Überforderung. Persönliche,berufliche und gesellschaftliche bedingte Auslöser führen hierbei zum Burnout-Syndrom und verstärken sich diesbzgl. auch wechselweise. Die Handlungsmotivation, Energie und das persönliche Veraltensrepertoire der Betroffenen werden erart eingeschränkt, daß Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität hochgradig beeinträchtigt bzw. ausgesetzt werden.

Medial wird das Burnout-Syndrom -durchaus kulturkritisch- auch als eine Metapher für allgemeine gesellschaftlich bedingte Überbelastung, Dauerstress, Verhaltensprobleme o.ä. verwendet. Während das Burnout-Syndrom früher insbesondere als Problematik des Top-Managements sowie helfender Berufe galt, zeigt sich heute, dass aufgrund des Wandels der Lebens- und Arbeitswelt seelisch,geistige und körperliche Erschöpfungszustände sich summierend in allen Berufsbereichen auftreten können.

+ Wie geht es Menschen, die vom Burnout betroffen sind. Kann man ein oder zwei typische Verlaufsfälle kurz schildern?

Hauptproblem der Betroffenen ist wohl das längerfristige „Schlittern“ ins Burn-out und die damit zusammenhängende zeitlich zumindest monatelang versetzte Inanspruchnahme professioneller Hilfe. Psychisch-geistige und auch körperliche Leidenaspekte gehen Hand in Hand mit der Minderung/Aussetzung der persönlichen Handlungskompetenz – eine Art Prokrustesbett v.a. psychischen Leidens setzt ein.

Ein Fallbeispiel:

Frau J. , Mutter von 2 Kindern (1 und 3 J.) ist 9 Jahre als Krankenschwester tätig,im Team einer onkologischen Station. Früher war die Doppelbelastung gut bewältigbar; seit 4 Monaten tut sie sich plötzlich schwer,ihr graut vor der Berufsarbeit,am Abend fehlt die Kraft für die Hausarbeit. Die häusliche verstärkte Mithilfe ihres Mannes lehnst sie ab,streitet mitunter darüber. Im Arbeitsteam konzentriert sie sich ab diesem Zeitpunkt nur auf das Nötigste,denkt dabei hilfesuchend an die Wochenenden. Sie fühlt sich permanent unausgeschlafen,ist niedergeschlagen,fühlt sich schwach und sinnlos. Sie weiß nicht weiter und lehnt einstweilen immer noch das Aufsuchen prof. Hilfe ab. Nach einer schweren Grippe landet sie völlig erschöpft im Krankenhaus, wo ein aufmerksamer Oberarzt sie anstatt primär medikamentöser Behandlung an einen echten Spezialisten für derartige Problemstellungen weiterleitet.

+ Gibt es möglichst aktuelles Zahlenmaterial zum Thema?

Bis zu 500.000 Österreicher sollen unter einem behandlungsbedürftigen Burnout-Syndrom leiden und 1,1 Millionen gefährdet sein, „auszubrennen“ (ÖAK 2010).  

Fundierte GPA-Studie aus dem Jahr 2007: 1.000 Personen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich beteiligten sich im Jahr 2007 an der Burnout-Studie der GPA.  29% der Befragten gelten als stark belastet insbesondere durch emotionale Erschöpfung. Das Risikopotential für Burnout aufgrund von Depersonalisierung und Entpersönlichung beträgt über ein Drittel. Mehr als die Hälfte gab bei der Frage nach der persönlichen Erfüllung an, mittel bis stark belastet zu sein. Über 20% der Beschäftigten gehören zur Gruppe mit dem höchsten Risiko, ein Burnout-Syndrom zu bekommen.

Während die Zahl der Krankenstandstage aufgrund physischer Erkrankungen und insgesamt seit 1991 gesunken ist, stieg seither jene aufgrund psychischer Erkrankungen um 184 Prozent. Außerdem kam es im Bereich der Psychopharmaka in den vergangenen Jahren zu einer massiven Umsatzsteigerung. Die PVA meldete Ende 2009 eine Steigerung von Früh­pensionsanträgen bei Angestellten: 42,4 Prozent allein aufgrund psychischer Leiden wie etwa Depression bzw. Burnout.

+ Was sind die Ursachen dafür, dass heute Burnout so ein großes Thema geworden ist? Waren die Anforderungen in der Arbeitswelt früher anders?

Persönlich habe ich den Eindruck daß hier der kulturelle Aspekt eine große Rolle spielt, d.h. dass hier auch eine Art „symptomatische Zivilisationskrankheit des Internetzeitalters“ vorliegt, eine Art Flexibilitäts-,Multichannel-, just in time – Syndrom der beschleunigten modernen Lebenswelt. Gesteigerte, sich mitunter überlappende Anforderungen (und auch auszuwählende Handlungsmöglichkeiten!)  im Betrieb,zu Hause, in der Freizeit und (smartphonegestützt) in allen persönlichen/zeitlichen Zwischenräumen sind in dieser Intensität neu. Der moderne Mensch steht gewissermaßen in einem permanenten Handlungs- und Entscheidungsdilemme, die persönlichen Ruheräume fehlen! Ebenso oftmals das tiefergehende Reflexionsvermögen über die eigenen Möglichkeiten und Grenzen bzw. den persönlichen Belastungsabbau. Insofern ist also das Thema medial sehr interessant bzw.können die Medien diesbzgl. eine produktive Rolle spielen, indem einfach die angeführte Problemlage mit einem populären Fachbegriff auf den Punkt gebracht wird – Burnout. Und da hier offenbar großflächig echter persönlicher,betrieblicher und sozialmedizinischer Handlungsbedarf vorliegt wird das frühere Tabu bzgl. Psyche/psychischer Erkrankungen einfach hinweggeschwemmt bzw. umgekehrt – man will etwas darüber wissen,man will gegensteuern können! Die Arbeitspsychologie wird „trendy“.

Natürlich hat das ganze auch objektive Ursachen,die Arbeitswelt bzw. der dominierende Arbeitstyp haben sich stark gewandelt. Hat man noch bis späte Mitte des 20. Jahrhunderts v.a. den körperlich arbeitenden männlichen Arbeiter bzw. den taylorisierten Angestellten im Visier arbeitsanalytischer bzw. arbeitsgestalterischer Ansätze gehabt (v.a. Ergonomielösungen), so liegt nun ein Arbeitstyp großflächig vor,der vom arbeitenden Menschen vereinfacht gesagt höhere Anforderungen v.a. bzgl. individueller und organisatorischer Flexibilität, problembezogener Kooperation, Antizipation von Prozessen,Umgang mit Daten auf allen Ebenen uvm. verlangt. Und die Schnelligkeit des eigentlich schon vollzogenen Wandels der Arbeitswelt lässt manche eben einfach „stehen“…

+ Oder hat es das Phänomen früher auch gegeben, und hat man es nur anders genannt (Depression?)

Im Betrieb war vor einigen Jahrzehnten war noch der (Manager-) Herzinfarkt das Gesundheitsthema der Arbeitswelt, heute liegt markant eine vorwiegend psychische Problemlage vor. War noch vor wenigen Jahren ein sehr geringer,einstelliger Prozentsatz der Betriebsangehörigen Zuhörer,Interessent,Klient bei psychisch relevanten Interventionen (z.T. mit klassischer depressiver Symptomatik oder Alkoholproblemen), so liegt heutzutage durchaus ein breiteres,informierteres, auch Maßnahmen forderndes betriebliches Publikum vor, das informiert und ernst genommen werden will.  

 

+ Wie merkt man, dass man Gefahr läuft, in ein Burnout zu schlittern? 

Das ist nicht gerade einfach. Zuerst muß man auch als Arbeitnehmer/in seriöserweise davon ausgehen,daß Belastungen -sprich. „Stress“- im Berufsleben zum Alltag gehören. Es gibt eben betriebsseitig Arbeitsanforderungen,die bewältigt werden müssen und derart -sofern vernünftig organisiert- beim Mitarbeiter zu (verkraftbaren) psychischen und physischen Belastungen führen. Ungesund wird das Ganze,wenn es keine Zeit mehr oder keinen Ort für Belastungsabbau/-ausgleich während und nach der Arbeit gibt, bzw. wenn arbeitsmäßige Belastungen und daraus resultierende persönliche Beanspruchungen aus dem Gleichgewicht geraten (Überforderung). Merkt man das nicht mehr -auch auf Grund gesteigerter Motivation oder aufgrund permanenten,verinnerlichten Zwangs- und gibt es zusätzlich in Familie und Freizeit ebenfalls „begünstigende“ Faktoren, so kann eine Art Überforderungs- bzw. Burnout-Spirale einsetzen.

Einige verbreitete Symptome: man kann schwer abschalten, ein Rückzugsverhalten gegenüber der Umwelt setzt ein, dennoch nimmt man die Arbeit nach Hause mit. Man entwickelt einen  Widerwillen gegen Arbeit und büßt auch allgemein an Lebensfreude ein. Persönlichkeitsdefizite,Konzentrationsschwächen, Vergesslichkeit ,allg. Ausgelaugtheit und Kraftlosigkeit, depressive Stimmungen werden zum ständigen Begleiter. Sich zu Erholen fällt sehr schwer bzw. die Erholung findet überhaupt nicht mehr statt. Dauert dieser Prozess viele Monate, dann wird er chronisch und geht Richtung Burnout-Syndrom.

+ Was kann und soll man als Arbeitnehmer tun, um psychomental möglichst fit und leistungsfähig zu bleiben und sich vor einem Burnout zu schützen?

1.Reflektieren und analysieren, sensitiv werden für die eigenen Bedürfnisse

Man sollte das Thema für sich selbst einmal gründlich aufarbeiten,auch unter dem Aspekt der Work-Life-Balance und nachsehen ob eine gesundheitsförderliche Lebens- und Arbeitsweise gegeben bzw. möglich ist. Eine realistische Selbsteinschätzung bzgl. Berufsperspektiven,privater/familiärer Situation, daraus gesamt resultierenden Belastungen und nachhaltigen Erholungsmöglichkeiten ist Goldes wert. Horchen Sie regelmäßig in sich hinein und checken Sie Ihre Belastungssituation – versuchen Sie diesbzgl. autonome Strategien zu entwickeln

2.Beruf und Privatleben/Freizeit möglichst auseinander halten

Um eine ungewollte,beruflich mitbedingte permanente Überforderungssituation nachhaltig zu vermeiden ist es natürlich sinnvoll, diese beiden persönlich relevanten Lebenswelten möglichst getrennt zu halten. Derart ist es natürlich auch um vieles einfacher den persönlichen Belastungsabbau/-ausgleich bzw. eine allgemein gesundheitsförderliche Lebensweise Freizeitsport, gesunde Ernährung..) angemessen zu organisieren.

3. Eine eigene Arbeitsweise entwickeln und im Betrieb implementieren

Üblicherweise gibt es betriebliche Standards bzgl. Zeitrahmen,Arbeitsabläufen, Kooperationsformen, persönlichen Vorgaben/Arbeitspensum, Abarbeitung der div. Teilaufgaben,Pausenregelungen etc. Diese sind nicht automatisch an persönliche Stärken/Schwächen/Vorlieben orientiert im Sinne einer individualisierten Arbeitsgestaltung. Hier kann im Regelfall nachjustiert werden! Machen Sie sich selbst ein Bild,was Sie an Ihrem Arbeitsplatz  auch arbeitsorganisatorisch gerne verändert/an die eigenen Bedürfnisse angepasst hätten und sprechen sie darüber mit Kollegen und Vorgesetzten. Oftmals kann dadurch auch eine verbesserte Leistungsfähigkeit erreicht bzw. die eigenen Leistungsmöglichkeiten besser ausgeschöpft werden.

4. Motivations-Check

Man sollte sich mitunter die Frage stellen, „Ist meine Arbeitsmotivation realistisch bzw. angemessen“ oder besteht die Gefahr sich selbst von der Arbeit „auffressen“ zu lassen,auszubrennen. Dies gehört zweifellos zu einer professionellen Arbeitsweise dazu. Ggf. kann man -sofern notwendig und unumgänglich- Grenzen ziehen,zurückstecken und dies auch den Kollegen und Vorgesetzten mitteilen. Der modernen Arbeitswelt angemessene,effiziente Arbeitsverhältnisse sollten dies -entsprechend kommuniziert- ermöglichen.

5. Arbeitspsychologen/innen adäqut in Anspruch nehmen

Wenn es Ihnen belastungsmäßig zuviel wird: nach Arbeitnehmerschutzgesetz (§ 82a ASchG) kann jeder Betrieb 25% der gesetzlich vorgeschriebenen Präventionszeiten für den Einsatz von zertifizierten Arbeitspsychologen/innen verwenden. Sofern nicht vorhanden – machen Sie die betrieblich Verantwortlichen darauf aufmerksam, daß bei Vorliegen derartiger Problemstellungen jedenfalls eine derartige Fachkraft herangezogen werden muß (!) 

+ Wird das Thema von Arbeitgeberseite bzw. allgemein in der Öffentlichkeit ernst genug genommen?

Nur teilweise. Wir haben unstrittigerweise in Österreich die Situation,daß es in den Betrieben massive Belastungsverschiebungen in Richtung arbeitsbezogener psychischer Belastungen gibt und dass weiters damit einhergend ein sehr stark ansteigender Frühpensionierungstrend wegen psychischer Erkrankungen existiert. Anerkannterweise lassen sich auch die Ministerien und Sozialpartner hierzu einiges einfallen (Evaluierung psychischer Belastungen in den Betrieben),ohne allerdings bis dato flächendeckend die hocheffektive verpflichtende arbeitspsychologische Betreuung in den Betrieben einzuführen. Obwohl dies sogar kostenneutral und nachhaltig im Rahmen einer ASchG-Novelle möglich wäre,konnte man sich auf Gesetzesebene noch nicht dazu durchringen. Gegen Jahresende 2011 wird diese Thematik neu verhandelt, Unterschriftenlisten hierzu gibt es bei den Psychologenverbänden. Was die Öffentlichkeit betrifft,so wird das Thema sicherlich angemessen wahrgenommen bzw. zeitweise medial gehypt; es geht in der Praxis eher darum für die real vorhandenen und bekannten Problemlagen geeignete Strukturen flächendeckend aufzustellen.

 

+ Was kann im Zuge einer betrieblichen Gesundheitsförderung geschehen, damit Burnout verhindert wird?

Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) eine projektmäßig organisierte betriebliche Querschnittssmaterie, die bedarfsorientierte Gesundheitsressourcen im Betrieb partizipativ implementieren will. Methodisch gibt es hierzu die europaweit quasi normativen ENWHP-Standards,deren Beachtung erst eine wirklich bedarfsgemäße und nachhaltigkeitsorientierte BGF ermöglicht. Demnach gliedern sich BGF-Projekte in die Phasen Einrichtung einer Steuerungsgruppe, IST-Analyse/Datenerhebung/Projektplanung – Projektumsetzung – Evaluation.

Im Kontext psychische Belastungen/Burnout ist es daher schon auf Ebene der Steuerungsgruppe dringend geboten sowohl Arbeitsmediziner als auch Arbeitspsychologen ins Projektteam einzugliedern. Weiters sollten BGF-Projekte aus  Effizienzgründen sowohl an die betriebliche Personalarbeit als auch an die arbeitsmedizinisch-arbeitspsychologische Betreuung im Betrieb angebunden werden. Nachhaltige Prävention verlangt beides!

Wesentlich ist auch das richtige Erhebungsinstrument bei der standardmäßig durchzuführenden Gesundheitsbefragung im Betrieb. Es gibt für alle Arten von BGF-Projekten auf Erhebungsebene das umfassende,weitverbreitete arbeitspsychologisch fundierte Befragungsinstrument  SALSA (salutogenetische subjektive Arbeitsanalyse). Dieses ist u.a. auch sehr gut dazu geeignet psychische Belastungsfaktoren im Betrieb samt deren Ursachen aufzuspüren und derart zur Burnout-Prävention beizutragen. Kommt man nun nach Einsatz dieses Erhebungsinstrumentes zur Schlußfolgerung,daß die Materie „Stress – Psychische Belastungen – Burnout“ ein relevantes Thema im Betrieb ist,so kann man einerseits weitere,spezifische Erhebungsinstrumente bzw. versierte Diagnostiker zum Einsatz bringen und derart die Maßnahmenplanung  und  -umsetzung schwerpunktmäßig u.a. in diese Richtung lenken.

Häufig kommt man auf Basis derartiger Instrumente auch zu dem Schluss, daß Maßnahmen/Schulungen bzgl. „Gesundheitsgerechter Führung“, „wertschätzender Umgang mit den Mitarbeitern“ im belastungsreduzierenden Sinn angebracht sind,um Burnout-Phänomenen u.dgl. schon im Vorfeld das Wasser abzugraben. Gemeint ist damit,daß Führungskräfte die in diesem Sinne auf sich selbst und die Mitarbeiter achten (lernen),selbst eine betriebliche Gesundheitsresource darstellen können (anstatt einem Stressfaktor) und somit Burnout-Risken minimieren.. Derartige Interventionsstrategien sind auf Umsetzungsebene belegterweise hocheffektiv f.d. Bewältigung belastungsbedingter psychischer Problemlagen im Betrieb.

Schlußendlich erlaubt es das angeführte Erhebungsinstrument SALSA auch bei der Projektevaluation einen Fokus auf die psychische Belastungsebene zu legen um ggf. nach 1-1,5 Jahren Projektlaufzeit deutliche Umsetzungserfolge auch zielgruppenspezifisch bzw. abteilungsspezifisch nachvollziehen zu können.

Schlußendlich sei erwähnt,daß derart aufgestellte BGF-Projekte durchaus geeignet sind nachhaltig zu wirken, indem zur vorliegenden Thematik  Verständnis im Betrieb erzeugt wurde, spezifische Methoden zum Einsatz kamen und letzlich auch eine Eigenkompetenz des Betriebes bzgl. psychischer Belastungen, Burnout-Abwehr generiert wurde. Zudem haben sich in derartigen Konstellationen zumeist innerbetriebliche Ansprechpartner/Kompetenzträger z.B. Personalreferenten,Gesundheitsvertrauenspersonen herauskristallisiert und externe Experten wie Arbeitspsychologen/Arbeitsmediziner schon betriebsnahe aufgestellt um ggf. punktuelle Interventionen,Coaching etc. durchführen zu können.  Ein erster qualifizierter Umgang von Betrieben mit der vorliegenden Thematik könnte derart erfolgreich implementiert werden.  

Link zu Burnout-Checkliste f. Betriebe https://arbeitspsychologie.files.wordpress.com/2009/12/burnout-checkliste-fuer-betriebe.pdf  .

+ Welche Bedeutung kommt (moderatem) Sport im Abbau in der Vorbeugung eines Burnout zu? 

Ganz einfach – „den Spieß umdrehen“ – ich würde hierin ein absolutes Kontrastprogramm zum Burnout sehen. Warum? Das ist leicht erklärt,wenn man sich einige der beschriebenen Merkmale des Burnout-Syndroms ansieht  (permanente Überlastung/Überforderung – Entpersönlichung/Rückzug – Erschöpfungszustände..) bzw. die empfohlenen Gegenmaßnahmen.

Zum einen liegt hier einmal ein selbstgewähltes,positives, deklariertes Bedürfnis  vor („ich will fit/gesund sein“), das man -sofern gut in die Lebensumstände eingebettet- nicht so leicht aus der Hand gibt. Detto findet hier im Regelfall eine (sinnvolle) vollständige Abgrenzung zur Berufswelt statt,die vernünftig angewendet Beanspruchungsausgleich bringen kann, viele physische Parameter verbessert (Stresshormone/Abbau), Muskelkraft und Beweglichkeit zur Geltung bringt, das Herz-Kreislaufsystem trainiert und letztlich auch das Selbstwertgefühl steigert. Alles 100%ige Anti-Burnout-Faktoren.

Sofern dementsprechend organisiert kann zudem soziales Wohlbefinden, Geselligkeit etc.  Teil des Freizeitsports sein.

Zusammenfassend würde ich sagen, wer seinen Ausgleichsport auf einem relevanten Level hält und sich diesen auch nicht nehmen lässt,geht mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht so ohne weiteres in eine Burnout-Falle.

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